in der Thomasnacht
In der Thomasnacht legte man ihnen einen Draht aus reinem Dukatengold um den Hals, ein flaches Stück Blitzbaumholz auf das geschlossene linke Augenlid und eine im Rauchfang getrocknete Blindschleiche aufs nackte Brustbein. Dann wurden sie mit Lehm eingerieben und man wusch ihnen die Füße mit einem Sud aus Birkenrinde. Anschließend legte man ihnen einen rostigen Nagel auf die Zunge und verstopfte ihre Ohren mit Wachs. Man besprengte sie mit einem in saure Milch getauchten Birkenzweig sieben mal rückwärts über die Schulter und hielt dabei die Augen geschlossen. Bei Neumond streute man roten Sand auf ihre Schwelle und horchte eine Stunde lang in den Backofen. Man legte ihnen am Johannistag einen Kranz von neunerlei Blumen unters Kissen. Um 1300 streute man ihnen getrocknete Blutegel in den Wein. Dann nahm man ein Steinchen aus der Dachtraufe, umfuhr damit drei mal die wunden Stellen und legte das Steinchen an genau dieselbe Stelle zurück wo es gelegen hatte. Vor Sonnenaufgang flocht man ihnen Brombeerzeweige um die Knöchel und bestäubte ihre Stirn mit Kalk und Fliederblüten. Am Ende biss man ihnen die Fingernägel ab und spuckte sie in ein fließendes Gewässer.