Wunde≠Blume

Frühsommer am Fluss

Der Mann mit der Bärenhaut schüttelte nur den Kopf und sagte, du willst alles immer ganz schnell und sofort. Kannst du nicht warten? Er drehte den schwarzen Kopf in Richtung des Flusses. Die Oberfläche des Wassers war grün und glatt. Am anderen Ufer stand ein großer toter Baum. Aus einem kreisrunden schwarzen Loch weit oben am Stamm hörte man gedämpftes Zwitschern. Es war Mittag geworden. Die Kirchenglocke klang aus dem Dorf herüber. Der Wind griff nach den Weidenzweigen, die über dem Wasser hingen. Das Regenmädchen stand mit nackten Füßen im Ufersand. Als wäre es auch vom Wind erfasst, wiegte es den Oberkörper hin und her. Seine Hände streckten sich seitlich aus, die Finger machten sich lang. Mit einer Folge kleiner, präziser Tanzschritte überquerte es die schmale Sandfläche und stieg hinauf in die Luft. Vielleicht einen halben Meter über dem dahinfließenden Wasser blieb es auf Zehenspitzen stehen. Über die Schulter schaute es zurück dorthin, wo der Bär im Schatten unter den Brombeerranken saß. Er tat so, als hätte er nichts bemerkt, blickte stattdessen den Fluß hinab. Das Regenmädchen beugte seinen Oberkörper aus der Hüfte weit nach vorne und berührte mit den Fingerspitzen die gläserne Oberfläche des Wassers.